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SAMMLUNGEN AiRs/STIPENDIEN INTERVIEW
SAMMLUNGEN
Arbeiten befinden sich zur Zeit in Museen, öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Monaco, Luxemburg, Großbritannien, den Niederlanden, Japan und den USA.
AiRs/STIPENDIEN
2026 AiR Atelierprogramm Wasserschlösschen Kallmann-Museum Ismaning (2 Monate)2026 AiR „Demokratie unplugged“ Bildwerk Frauenau (3 Monate)
2025 AiR „Das mobile Atelier“ Günzburg, BBK Bayern, gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (2 Monate)
2024 Local-Artist-Residency Kulturamt Regensburg (2 Monate)
2024 AiR Künstlerhaus Schloss Plüschow, Austauschresidency mit dem Oberpfälzer Künstlerhaus (1 Monat)
2023 AiR Cross Residency Clermont-Ferrand 🇫🇷 FR und Stadt Regensburg (3 Monate)
2023 AiR Museum Budapest Galleria 🇭🇺 HU (1 Monat)
2023 AiR Kloster Frauenzell (1 Monat)
2021 VG BILD KUNST Bonn Stipendium
2021 Impuls-Förderung Stadt Regensburg
2019 AiR Südfrankreich-Atelierstipendium Sète 🇫🇷 FR, Camaro-Stiftung Berlin (2 Monate)
2019 Kunstprojekt Maiersreuth
2018 AiR Wilke-Atelier Gastatelier u. Stipendium der Stadt Bremerhaven (2 Monate)
2018 AiR Schloss Königshain/Görlitz, Austauschresidency mit dem Oberpfälzer Künstlerhaus (1 Monat)
2016 Phoenix Kunstpreis Finalist
2015 Katalog Stipendium Stadt Schwandorf
2012 AiR Künstlerbahnhof Ebernburg Bad Kreuznach (2 Monate)
INTERVIEW
Warum Kunst? Warum atmen?
Wie bist du zur Kunst gekommen? Besuch einer Picasso-Ausstellung mit 10 Jahren.
Was hat dich damals beeindruckt? Zeichnungen. Die Schönheit der Linie auf dem Papier.
Was ist dir heute wichtig?
Die individuelle Handschrift und Position. Eigenständigkeit & Zeitgenossenschaft unter Berücksichtigung all dessen was bereits geschehen ist. Ich will nichts machen, was andere gemacht haben oder tun. Wichtig: Meine Kunst ist frei, sie sucht kein Alibi, keine Rechtfertigung und keine Funktion.
Warum die Technik Messerschnitt?
Wegen der harten Kante. Wegen der Entschiedenheit. Kein Lavieren, kein Getue. Es geht ums Konzept und darum klare Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen. Wie im Leben. Es geht um Konzentration und Konsequenz. Was geschnitten ist, ist weg. Keine Tricks. Wer zu seinen Entscheidungen stehen kann spürt Freiheit.
Wie entsteht ein Messerschnitt?
Eine aktuelle Idee wird oft aus dem geschöpft, was ich davor gemacht habe. Es gibt eine ständige Weiterentwicklung und eine Kontinuität, eine starke Verbindung zwischen meinen Arbeiten. Alles was ich mache ist persönlich. Es ist ein ständiges Brennen ohne zu verglühen.
Mit der Bildidee geht die Formsuche einher. Die Suche nach der Form sorgt für die Reduzierung, im Sinne des Wortes, die Verdichtung der Sujets – immer mit dem Anspruch auf Lebendigkeit und die eigene Bildsprache.
Im Weiteren kommt es, sozusagen, zur Verwandlung. Ich nehme ein simples Stück Papier oder Karton, bearbeitete es und es verwandelt sich in eine, aus sich selbst heraus leuchtende Skulptur. Das ist wie Magie ohne Zaubertricks und besteht ohne technischen Fuhrpark oder Ingenieur-Einsatz.
Und plötzlich stehen großformatige Aluminium-Skulpturen im Wald, in Gärten oder einem Burghof.
Alles was ich mache ist skulptural gedacht. Somit waren diese Skulpturen eine natürliche und logische Weiterentwicklung meiner Arbeit. Ich habe mich gefragt, wie wäre es, wenn meine Arbeiten draußen stehen würden, im Sonnenlicht, im Regen, im Schnee…? Die Idee funktioniert nicht mit Papier oder Karton, also war Aluminium das Naheliegende. Es ist leicht und robust. Die Aluminium-Skulpturen werden nach meinen Papiermodellen gelasert und ich erhalte was ich will und was zählt: alle Fehler der Modelle und die Leichtigkeit, das Filigrane, die Mehrdeutigkeit… alles ist in meinen Aluminium-Skulpturen zu finden. Sie sind keine Fremdkörper, sondern eindeutig meine Arbeiten. Und alles was passieren soll, passiert: im Sonnenlicht werfen die einzelnen Formen ihre Schatten aufeinander und verdichten sich zu einer Skulptur, die man umkreisen kann und die je nach Position neue und andere Perspektiven und Einblicke ermöglicht. Stell dir die visuelle Kraft der Arbeiten vor, wenn du sie im Mondschein siehst. Und wenn es geregnet hat, hängen Wassertropfen an den feinen Linien und Strukturen und in diesen Tropfen spiegeln sich Elemente der Skulptur und Teile der Umgebung.
Du sagst, du beschäftigst dich mit Wahrnehmung.
Das ist wesentlich, wie die Frage: „Was sehen wir, wie sehen wir, was können wir sehen und was wollen wir sehen?“ Die Welt dominieren Wunschdenken und Selbsttäuschung. Fake ist fast ein Synonym für die Handy-Existenz einer Vielzahl von uns. Und KI lehrt uns, das wir nichts glauben können bzw. eskaliert mit einem Amoklauf nach dem anderen. Manipulation, „alternative Wahrheiten“ und „parallele Universen“ sind Synonyme für Medien. Auch die Ekstase hinsichtlich all der „KI-Perspektiven“ befremdet mich.
„What you see is what you get.“ hat noch nie funktioniert. Menschlich ist, wir können nur sehen, was wir denken können. Aber was wir denken, hat nicht immer mit Realität zu tun.
Wann bist du mit einer Arbeit zufrieden?
Kunst betrachte ich generell kritisch. Kunst zu machen bedeutet per se unzufrieden zu sein. Wer Kunst macht, um zufrieden zu sein, hat nicht nachgedacht. Als Künstler Gleichgewicht zu halten gelingt mir eher nicht. Aber, als Künstler arbeiten zu dürfen, ist das pure Glück. Zu meinen Impulsen gehört die Idee von der permanenten Weiterentwicklung. So lange ich lebendig bin gibt es kein Stopp. Das bedeutet, ich denke, ich habe bisher schon deutlich gute Arbeiten und Ausstellungen gemacht, aber das Gefühl von Zufriedenheit kenne ich eher nicht. Auch weil, wenn Arbeiten fertig sind oder ich Ausstellungen zeige, ich gedanklich bereits beim Nächsten oder Kommenden bin. Das macht mich frisch, motiviert mich, gibt mir Kraft, treibt mich vorwärts und macht mir Angst.
Welche Kunst hat dich beeinflusst?
Gute Kunst, egal aus welcher Zeit. Kunst von KünstlerInnen, die gleichzeitig ArbeiterInnen sind, weil sie permanent arbeiten.
Was sind deine künstlerischen Ziele?
Autonome Arbeiten, die für sich selbst stehen und bestehen, die mich, sobald ich sie gemacht habe, nicht mehr brauchen. Arbeiten die nicht Behauptung sind, sondern Räume öffnen, Ausblicke ermöglichen bzw. die dich so anritzen, dass du nicht unberührt vorbeigehen kannst.
Gibt es in deinen Bildern eine Ikonografie?
Fünf verschiedene Personen haben auf einen Messerschnitt unter Umständen fünf individuelle Sichtweisen – je nach ihrem Bildwissen, ihren Kenntnissen, ihrer Tagesform, ihrer Gefühlslage usw. Im Ergebnis können, je nach Anzahl der BetrachterInnen, genauso viele Bilder in einem Messerschnitt gesehen werden – ohne dass ich darauf Einfluss hätte. Meine Arbeiten haben eigentlich keine Titel. Ich mache keine Illustrationen. Titel sind Manipulation. Titel nütze ich notwendigerweise oder von außen gewünschterweise zur Unterscheidung. Wenn ich arbeite gehts ums eigenständige Bild und nicht um Worte, Geschichten, Theorien, Belehrungen, Propaganda usw. Wenn mich jemand fragt, wie lautet der Titel, was soll ich mir bei diesem Bild denken, kann ich nur antwortet: Du sollst nichts.
Du arbeitest immer wieder in Serien.
Wie im Leben, möchte ich auch in der Arbeit herausfinden, was ich will und wie es sein soll. Somit sorgen auch Serien für die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema oder einer Idee. Ich prüfe Möglichkeiten und suche Echtheit, könnte ich sagen. Im Ergebnis finden sich dann Arbeiten die als eigenständige Einzelwerke Gültigkeit haben und als erweiterte Bildfolge lebendige Vielfalt bieten. Alles ist schlüssig verknüpft und gleichzeitig selbständig existent. Nachdenken und echte Arbeit sind dabei die Grundlagen. Zufälle oder genialistische Positionen beeindrucken mich eher nicht.
Inzwischen befinden sich Arbeiten von dir in Sammlungen in Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Monaco, den Niederlanden, Luxemburg, Japan und den USA. Macht es dir nichts aus, wenn du Werke eventuell nie wiedersiehst?
Für mich ist es existenziell meine Kunst zu machen. Da spüre ich eine Notwendigkeit. Das ist ein Teil der Magie der Kunst: Du erarbeitest im Atelier etwas, was nur für dich eine Dringlichkeit hat, es ist erst mal etwas was niemand braucht. Danach wird dieses Werk vielleicht ausgestellt. Vielleicht hast du Glück und andere Menschen sehen diese Arbeit und wollen sie für sich haben, weil sie spüren, das diese Kunst etwas mit ihnen macht, sie berührt und/oder bewegt. Also, wenn ich meine Kunst gemacht habe, soll sie frei woanders „weiterleben“. Das Arbeiten im Atelier ist die pure Erfüllung für mich. Alles andere, was danach noch zum Künstlersein gehört, ist meistens eine angenehme Pflicht.
Was sind deine nächsten Ziele? Darauf zu achten, dass ich keinen Schnappdaumen bekomme.